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    Kontakt:

    Dedo Weigert Film GmbH
    Ansprechpartner: Roman Hoffmann
    Karl-Weinmair-Str. 10
    80807 München
    Telefon: +49 (0)89 - 35616 - 154
    rhoffmann@dedoweigertfilm.de
    www.dedoweigertfilm.de

    01.12.2013 Interview mit Eric Auclair.

    Roman Hoffmann: Ich glaube es ist noch früh in Kanada, also guten Morgen Eric.

    Eric Auclair: Guten Morgen.

    RH: Zu Beginn eine ganz einfache Frage: Eric, wie geht es dir heute morgen?

    EA: Hallo Roman, heute morgen geht es mir gut.

    RH: Hattest du ein gutes Frühstück?

    EA: Ja, mein Frühstück war gut.

    RH: Nun im Ernst Eric, du bist Hersteller, was stellst du her?

    EA: Unsere Firma heisst CINEMECANIX und alle unsere Produkte drehen sich um Kamera-Stabilisierungssysteme. Unser Hauptakzent liegt dabei auf Schulterrigs.

    RH: Wann hast du damit angefangen diese Geräte zu bauen?

    EA: Das war 2012. Nachdem ich mir damals für ein eigenes Videoprojekt ein Schulterrig konzipiert hatte für die RED One, haben mein Partner und ich angefangen uns ernsthafte Gedanken über verkaufbare Produkte zu machen.

    RH: Bevor wir ausführlich über deine innovativen und aussergewöhnlichen Produkte sprechen, würde ich gerne unser Gespräch fortführen, dass wir auf der diesjährigen IBC in Amsterdam begonnen haben. Ich hatte dich zufällig danach gefragt, was du gemacht hast bevor du damit angefangen hast CINEMECANIX Rigs zu bauen. Du hast mich mit einer sehr ungewöhnlichen Geschichte als Antwort auf meine Frage geflasht. Also, womit hat bei dir alles angefangen und wie ist dein Berufsleben verlaufen?

    EA: Nun, in der Tat gibt es da einiges zu erzählen. Ich bin mit 17 zum Militär gegangen, wo ich Aerostatik studiert habe und zwar in Montreal. Eigentlich hatte ich mich beim Militär gemeldet, weil ich Kampfpilot werden wollte. Aber es ist sehr schwer in der Kanadischen Luftwaffe Kampfpilot zu werden, da die Kanadische Luftwaffe nicht viele Kampfjets hat. Also bin ich zur Navy und habe dort zehn Jahre verbracht. Nach diesen zehn Jahren habe ich beschlossen aus der Armee auszutreten und weniger gefährlicheren Aufgaben nachzugehen. Denn leider habe ich in meinen 10 Jahren Navy-Aufenthealt den Golfkrieg miterlebt, ich war einige Zeit in Somalia und in Bosnien. Wie gesagt, nach dieser Zeit habe ich beschlossen zurückzukehren zu meiner Familie. Dann stellte sich mir natürlich die Frage: was machst du jetzt nach zehn Jahren Navy?! Ich habe mich auf das zurückbesonnen, was ich schon immer gerne gemacht habe – Grafikkunst. Ich belegte Kurse in dieser Richtung. Zu dieser Zeit muss man sagen, waren die Technologien in diesem Bereich stark im Umbruch. Damals fand ein Wechsel von manueller zu digitaler Technik statt. Letztendlich bin ich Werbeillustrator geworden.

    RH: Schlummerte da schon immer eine künstlerische Ader in dir, oder wie bist du darauf gekommen diesen Weg einzuschlagen?

    EA: Ich habe seit dem ich denken kann immer gezeichnet und gekritzelt. Mein Grossvater war Fluggeräte-Ingenieur bei Bombardier. Schon damals hat mich dieser ganze Technikkram stark angezogen. Mich haben damals schon die Kunst aber auch die technischen Finessen von Maschinen sehr interessiert. Ich glaube ich war neun, als ich meinen ersten Fernseher auseinandergebaut habe zum Ärger meiner Mutter. Ich habe das Teil aber wieder zusammengekriegt. Klar ein paar Schräubchen haben ihren Ursprungsplatz nicht wiedergefunden, aber die Kiste lief wieder. Mein Hirn war immer wie ein Schwamm und hat sich besonders für technische Dinge stark interessiert und dafür wie Dinge gemacht sind. Diese Vorlieben sind mir geblieben. Immer wenn ich etwas sehe, das mir gefällt, gehe ich in eine Bibliothek und finde alle Details darüber heraus. Den grössten Teil meiner Kindheit habe ich damit verbracht Autos und Flugzeuge zu zeichnen, weil mich das sehr begeistert hat. Gleichzeitig aber habe ich auch rein künstlerische Sachen gemalt wie Landschaften und andere organische Motive. Das Zeichnen hat mich mein Leben lang begleitet. Selbst in der Navy hatte ich meinen Zeichenblock bei mir und habe meine Freizeit mit Zeichnen verbracht. Selbst im Golfkrieg habe ich Grafiken von dem Kanonenboot gemacht auf dem ich stationiert war. Meine Leidenschaft war schon immer die Grafikkunst. Es gibt viele Menschen, die künstlerisch, jedoch nicht technisch begabt sind. Bei mir scheint es, dass meine linke und rechte Gehirnhälfte sehr gut miteinander zusammenarbeiten.

    RH: Wie hat sich dein Weg nach der Grafikerausbildung weiterentwickelt?

    EA: Ich habe angefangen in einer Druckerei zu arbeiten. Nach einiger Zeit bin ich immer selbständiger geworden und habe angefangen eigene Werbekonzepte zu entwerfen. Ich habe auch fotografiert. Meine erste PENTAX K1000, komplett analog hatte ich schon mit 13. Als Kind habe ich meine eigenen Filme im Bad selbst entwickelt. Ich hatte immer viele Medien um mich herum. Zeichnen, Malen, Fotografieren, selbst Airbrush war dabei. All diese Fähigkeiten und Praktiken haben mir die Möglichkeit gegeben das auszudrücken, was mir wichtig war. Im Verlauf meiner Illustratoren-Karriere habe ich mit 3D-Animationen experimentiert. Das waren damals noch Technologien im Entwicklungsstadium, in sehr einfachen Ausführungen, aber ich habe das sehr gerne ausprobiert, weil es zu einem weiteren Instrument meines Ausdrucksarsenals wurde. Irgendwann habe ich die Druckerei verlassen und habe Publicity-Kampagnen betreut.

    RH: Wie alt warst du zu dieser Zeit?

    EA: Ich war Anfang dreissig. Es ist schwierig für mich genau zu sagen wie alt ich damals war – aus der Armee bin ich 1995 ausgetreten, von 1995 bis 2000 habe ich als Grafiker gearbeitet, von 2000 bis 2006 war ich Werbeillustrator und Designer. 2006 hat mich ein Bekannter dazu animiert als Zeichner für die Montreal Provinzpolizei zu arbeiten. Meine Aufgabe bestand darin verschiedene Polizeidienststellen zu besuchen und Opfer zu interviewen und aus dem Gespräch mit dem Opfer eine Phantomzeichnung des Täters anzufertigen. Das habe ich drei Jahre lang gemacht. Ich fand das recht schwierig, denn als Künstler bist du hypersensitiv. Ausserdem hat mich das, was ich bei der Armee erlebt habe noch empfindsamer gemacht gegenüber allem, was lebendig ist. Ich muss sagen ich bin sehr dankbar am leben zu sein, ich finde täglich etwas Positives im Leben. Nun denn, in den letzten Monaten dieser Tätigkeit als Phantomzeichner für die Polizei, hat sich für mich die Möglichkeit ergeben an einem Hollywood-Film mitzuarbeiten. Bei diesem Projekt wurde ein Zeichner benötigt und ein Spezialist, der den Untersuchungsraum, der in diesem Film vorkommt konzipiert. Eigentlich war mein Job nach einer Woche erledigt, aber die Arbeit am Set hatte mich so fasziniert, dass ich nicht wegkonnte. An diesem Punkt in meinem Leben ist der Funke auf mich übergesprungen, es war ein Neubeginn. Der Film hiess "Taking Lives" mit Angelina Jolie, Ethan Hawke und weiteren bekannten Schauspielern. Ich hatte nach meinem Job nicht wirklich etwas zu tun und der Regisseur fragte irgendwann, was ich da immer noch machen würde?! Ich habe ihm geantwortet, dass ich am Haken hinge. Der ganze Prozess des Filmemachens hatte mich einfach für sich eingenommen, ich kam nicht mehr runter vom Haken… Fotografie hatte mich sowieso fasziniert, aber das Filmemachen war eine Steigerung für mich. Es war alles so technisch und gleichzeitig auch künstlerisch, das war aus meiner Sicht eine ideale Mischung. Beim Filmen und Fotografieren muss man viele Techniken beherrschen und viel über Technik wissen, gleichzeitig ist der Bildausschnitt eine künstlerische Sache. Ich habe mich dann also entschieden Videokurse zu besuchen und habe danach eine Stelle in einem Verleihhaus in Montreal gefunden. Dieser Ort war perfekt für mich. Da hatte ich die Chance alles über Technik, über Licht, Kamera, Ton und Optik zu lernen. Es waren acht Jahre, die ich in diesem Verleih verbracht habe. Parallel habe ich Schnittkurse besucht. Letztendlich bin ich eine One-Man-Band geworden. Ich konnte eine Produktion komplett alleine stämmen. Genau zu dieser Zeit ist mein Schulterrig-Konzept entstanden.

    RH: Bevor wir tiefer auf deine Rigs eingehen – du hast mir in Amsterdam erzählt, dass deine Aufklärungsrate sehr hoch gewesen sei während deiner Arbeit als Phantomzeichner bei der Polizei…

    EA: Stimmt. Währen dieser Arbeit gab es 63 Verhaftungen, die direkt mit meinem Job als Phantonzeichner verbunden waren. Damals war es noch verbreitet Phantomzeichnungen mit der Hand anzufertigen. Man sass also bewaffnet mit einem Stift und zeichnete auf einem Papierblock. Das hat eine Ewigkeit gedauert und war sehr anstrengend für die Opfer, denn wenn ein Opfer genau erklären muss, wie die Augen des Täters ausgesehen haben etc. das ist nicht ohne. Man will diese Situation dem Opfer so nicht zumuten, man will die Zeit mit dem Opfer so kurz wie möglich halten. Es gab damals zwar Vorlagen zum Beispiel von verschiedenartigen Augenpartien, die mir auf Schablonen zur Verfügung standen. Ich bin dann aber hingegangen und habe viele Bilder von bereits verhafteten Tätern gescannt und eine Datenbank angelegt. Dann habe ich mir Nasen, Haare, Augen, Lippen ausgeschnitten und diese Gesichtspartien über Photoshop präsentiert und konnte so sehr schnell vor Ort im Interview mit dem Opfer ein Gesicht am Computer zusammensetzen. Nach ca. einer Stunde konnte man eine ziemlich gute Vorlage erstellen, selbst mit dem entsprechenden Hautton. Das interessante war, dass ich mir manche Täterfotos nach einer Aufklärung angeschaut habe und die Übereinstimmungen zu meinen Zeichnungen waren frappierend, ich würde sagen sie lagen zum Teil bei 70 bis 90 Prozent. Diese Methode hat sogar soweit geführt, dass ich bei manchen Gerichten anerkannt war, als jemand, der einen neuen Standard in der Tätererkennung etabliert hatte.

    RH: Bei dieser Art der Arbeit muss man sich sehr genau in die Welt eines anderen hinein versetzen können und mann muss das, was die andere Person vor Augen hat sehr genau visualisieren können. Man muss ein guter Zuhörer sein und über ein enormes Vorstellungsvermögen verfügen. Helfen dir heute diese Erfahrungen und Talente dabei deine Produkte zu entwerfen?

    EA: Ja, das tun sie. Da ich von Grund auf gelernt habe technische Zeichnungen zu erstellen, weiss ich wie man Raum darstellt, ich habe ein gutes 3D-Gefühl entwickelt und kann gut in 3D denken. Ich weiss sehr schnell und kann mir schnell vorstellen wie und ob Dinge funktionieren. Das ist eine Art Gabe, wobei ich mir manchmal denke, dass es eben keine Gabe ist. Manchmal sitze ich in meinem Auto im Verkehr fest, dann schaue ich mich ringsherum um und weiss einfach wie alles um mich herum gemacht ist, woraus es besteht und wie es zusammengesetzt ist. Beim Fernsehen achte ich auf die Kamerabewegungen, auf das Licht, auf die Optiken, mir fällt auf was gut und was weniger gut gemacht ist. Es ist dann schwierig das Leben einfach nur zu geniessen, wenn man soviel Einblick und Wissen und technisches Verständnis hat.

    RH: Du bist Hersteller. Deine Kapazität und deine Fähigkeit Menschen zuhören zu können ist ausschlaggebend, oder nicht?

    EA: Oh ja. Schon als Grafiker musste ich meinen Kunden genau zuhören. Das ist generell eine Art 6. Sinn über den ich verfüge. Wenn mir jemand etwas erklärt, habe ich es gleich vor Augen und kann es mir sehr gut vorstellen. Grundsätzlich höre ich genau zu in welche Richtung eine Person denkt und welche technischen Anforderungen verlangt werden.

    RH: Wenn man über den aktuellen Stand unseres Business spricht, ich meine du hast viel Erfahrung in vielen unterschiedlichen Nischen unserer Industrie gesammelt, was würdest du sagen sind die entscheidenden Änderungen, die gerade bei uns stattfinden?

    EA: Ich würde sagen es ist der Wechsel von analog zu digital. Als ich noch bei der Provinzpolizei gearbeitet habe, wurden alle Tatortaufnahmen auf Filmmaterial aufgenommen. Mit dem Wechsel zur Digitaltechnik wurde alles viel schneller und einfacher. Informationen konnten schneller ausgetauscht werden, Änderungen an Bildern konnten schneller vorgenommen werden u.s.w.. Im Videobereich gab es schon immer die Möglichkeit der elektronischen Aufzeichnung, zuerst zwar noch auf Tapes, aber als die Tapes durch digitale Datenträger ersetz wurden, hat sich unsere Welt sehr verändert. Es hat uns die Möglichkeit gegeben von SD auf HD umzusteigen. Ich denke das war ein sehr grosser Schritt.

    RH: Im Zusammenhang mit den modernen technischen Änderungen und Entwicklungen, welche Fähigkeiten denkst du muss ein moderner Bildgestalter heute mitbringen um in dieser Industrie Fuss fassen zu können?

    EA: Eine ganze Menge! Ich denke, dass die "Basics" noch immer sehr wichtig sind. Man muss wissen, wie man ein Bild komponiert, man muss über Licht Bescheid wissen, egal auf welcher Kamera man arbeitet. Das Grundlagenwissen ist sehr wichtig. Es spielt keine Rolle, dass die Kameras immer kleiner und leistungsstärker werden. Ich denke gerade in diesem Technikwust, der heute herrscht muss man viel mehr Wissen haben um gute Bildqualität abzuliefern.

    RH: Und aus Herstellersicht, was würdest du sagen sagen muss modernes Gerät leisten, bzw. welche Eigenschaften muss es haben um modernen Bildgestalter-Anforderungen gerecht zu werden?

    EA: Aus meiner Sicht ist der wichtigste Aspekt beim Drehen die Kamerastabislisierung. Wenn dein "Schuss" stabil ist, wenn die Kamera nicht ungewollt wackelt, hast du einen guten Anfang, egal wie die anderen Faktoren wie Licht u.s.w sich verhalten. Eine stabile Kamera bedeutet, dass du solide Aufnahmen hast.

    RH: Du lebst und arbeitest in Kanada. Wir hier in Europa haben in letzter Zeit desöfteren gehört, dass Hollywood sich ganz wohl in Kanada fühlen würde. Wie sieht das aus deinem Blickwinkel aus?

    EA: Das war in der tat so. Denn je nach dem wo man dreht, hat man in Kanada Europäisch anmutende Landschaften, wir haben hier auch US Amerikanische Landstriche, unser Land bietet Abwechslung je nach dem in welcher Klimazone man sich befindet. Aber in den letzten fünf Jahren ist es ziemlich runter gegangen mit der Kanadischen Filmindustrie, denn mit der Entwicklung kleinerer Kamerasysteme sind immer mehr Menschen in der Lage sich nun selbst eine Kamera zu kaufen. Das kriegen die Rentals natürlich sehr stark zu spüren. So langsam erholt sich die Lage wieder etwas. Kameras wie die Red und auch die 4K-Modelle helfen bei diesem Aufwärtstrend, denn die bieten eine professionelle Bildqualität und sind auch nicht extrem teuer im Verleih.

    RH: Du selbst bist auch viel auf Achse, du besuchst internationale Messen, machst Demos. Kannst du einen Vergleich ziehen zwischen der Europäischen, Amerikanischen und der Kanadischen Filmindustrie?

    EA: Meiner Beobachtung nach kann ich sagen, dass die Kanadischen Produktionen sehr Budget effizient sind. Wir tendieren dazu alles mit kleinen Budgets zu bewerkstelligen. Die US Amerikaner haben eine viel grössere Audience und auch dementsprechend größere Budgets. Sie sind eine Film- und Fernsehnation und haben jede Menge Technik zur Verfügung. Die Europäer hingegen schätzen Qualität und scheuen sich nicht dafür zu bezahlen. Ich denke was die Technik angeht, wird Qualität und Langlebigkeit in Europa geschätzt, weshalb ich diesen Markt sehr mag. Ich habe auch den Eindruck, dass Europäische Filme sich mehr um Menschen und weniger um Special-Effects drehen. Ich denke so unterscheiden sich diese Regionen von einander, es sind drei sehr unterschiedliche Märkte.

    RH: Nun zu deinen Produkten, was genau entwirfst und stellst du her?

    EA: Als ehemaliger Kameramann hatte ich viel Freude und viel Ärger mit der ein oder anderen Technik. Wie ich schon erwähnt habe, für mich spielte eine stabile Kamera eine sehr wichtige Rolle. Je kleiner die Kameras wurden, desto mehr Rig- und Stabilisierungssysteme habe ich ausprobiert. Ich war mit den Ergebnissen aber sehr unzufrieden und frustriert. Viele Systeme setzen voraus, dass du Kamera und Rig hochhalten musst. Das ist physisch sehr anstrengend. Man hält das ganze Gerät in der Luft. Also habe ich mich selbst daran gemacht dieses Problem zu lösen. Mein C1 Pro-Rig ist das Ergebnis. Ich habe mich dabei sehr auf das Problem des Gleichgewichtes konzentriert. Das Rig hat ein bestimmtes Gewicht, das jeder Bewegung Stabilität verleiht. Diese Aspekte lassen dich vergessen, dass du eine Kamera und ein Rig auf der Schulter trägst. Du kannst dich sehr gut auf das Bild konzentrieren. Ich versuche diesen Komfort in unseren Produkten widerzuspiegeln. Unsere Produkte sind handgearbeitet und sehr spezialisiert. Das Design dient einem Zweck. Die Produkte sind erweiterbar und anpassbar. Ein frustrierender Aspekt ist nämlich der, dass ständig neue Kameratypen herauskommen. Das macht es sehr schwer für eine Firma wie uns vorauszuahnen wo man sich hinentwickeln soll. Unsere Lösung ist die, dass wir sehr universell und adaptierter sind. Wir passen zu jeder Kameratype. Unsere Rigs sind sehr leicht ausballancierbar egal mit welcher Kamera du arbeitest. Das ist unser Konzept, so sind unsere Produkte, darauf haben wir uns spezialisiert. Ich bin an nichts anderem interessiert, als diese Art von Kamerastybilisierungssystemen zu entwickeln und herzustellen, denn ich bin kein Follow-Focus-Experte, ich kenne mich nicht sehr gut mit Mattboxen aus, da gibt es viele andere tolle Firmen.

    RH: Neben deinem Talent sich in Menschen hineindenken zu können und sich gut vorstellen zu können wie ein Produkt sein sollte, bist du auch noch ein Praktiker, ein Handwerker. Du machst alles selbst, richtig?

    EA: Ja. Das geht auf mein Aeronautik Studium zurück. Ich habe Maschinenbau, Materialbearbeitung und Ähnliches studiert. Ich bin leider kein zertifizierter Maschinenbauer oder Ingenieur, aber ich verfüge über all diese Fertigkeiten. Viele dieser Kenntnisse habe ich perfektioniert. Ich nenne mich deshalb nicht Hersteller sondern Fabrikant, denn das umschreibt eher das, was ich mache und was ich bin. Ich bin selbst in der Lage einen Entwurf zu machen, mich in meine Werkstatt zu stellen und das was ich entworfen habe umzusetzen.

    RH: Du stellst alles in Kanada her, du hast eine eigene Werkstatt, wie gross ist eure Firma eigentlich?

    EA: Momentan sind wir zu dritt. Wir haben in einer sehr, sehr kleinen Werkstatt angefangen und zwar im Keller des Rentals in dem ich gearbeitet hatte. Wir hatten irgendwann so viele Schulterrigs gemacht, dass wir mehr Platz brauchten. Also sind wir in meine Garage übergesiedelt. Ich befinde mich noch immer in diesem Stadium, ich habe jetzt bloss zwei Garagen – eine Doppel- und eine Einzelgarage. Im Frühjahr planen wir jedoch in eine grössere Garage zu ziehen, wenn alles so weiter läuft bislang. Es steht auch zur Debatte ein Gebäude zu kaufen und dort einzuziehen.

    RH: Für wen sind deine Produkte gemacht, von wem werden sie genutzt?

    EA: Ich habe das Gefühl, dass es Video- und Filmmenschen sind, weil unsere Schulterrigs zu so vielen unterschiedlichen Kameramodellen passen. Wir haben aktuell Schulterrigs nach Los Angeles verkauft, wo sie bei vier sehr bekannten TV-Serien eingesetzt werden…

    RH: …bei welchen Serien denn?

    EA: Das darf ich leider nicht sagen, ich bin dazu nämlich nicht autorisiert, aber es sind sehr aktuelle Produktionen. NBC Universal zum Beispiel nutzt unsere Rigs und die haben einige Teams. Ausserdem haben diese Teams bereits drei Kameragenerationen durchlebt. Unsere Rigs haben das problemlos gemeistert.

    RH: Hast du spezielle Kommentare von diesen Leuten erhalten bezüglich deiner Rigs?

    EA: Nun, no news is good news :-) Von den mehr als hundert verkauften Rigs hatten wir nur vier Kommentare über unser Schaumstoff-Schulterpolster. Da gab es ein Kleberproblem, das wir aber sehr schnell behoben haben. Die meisten Kommentare, die wir erhalten sind: Superarbeit, danke für das Rig u.s.w.. Manche unserer Kunden schicken mir ihre Fotos, auf denen die Rigs im Einsatz zu sehen sind. Das Feedback ist sehr, sehr positiv. Bislang ist mir noch niemand begegnet, der unzufrieden war mit unseren Produkten.

    RH: Eric, kannst du bitte in eigenen Worten beschreiben wo bei deinen Produkten der Schwerpunkt liegt, denn deine Rigs unterscheiden sich grundlegend in einigen Punkten von dem, was andere Rigs bieten.

    EA: Ich glaube der Hauptunterschied liegt in unserem System des Gewichtsausgleichs. Der Schwerpunkt bei unserem System befindet sich unterhalb der Schulter. Dieser Umstand bietet enorme Stabilität. Die Kontaktfläche mit der Schulter liegt über dem Schwerpunkt. Es ist ähnlich wie bei einem Segelboot, wo sich ein schweres Kiel unter dem Boot befindet und das Boot in der Waage hält. Ohne Kiel würde ein Segelboot einfach überkippen, genau so ist es auch bei unseren Rigs. Bei uns gibt es praktisch keine Gegengewichte. Und wenn doch mal ein Gegengewicht nötig ist, dann ist es justierter, man kann es auf den 15mm Rohren hinten am Rig vor uns zurückbewegen.Durch diese Hebelwirkung wird vermieden, dass man zusätzliche Gewichte dazu machen muss. Wenn man eine schwere Kamera vorne drauf hat, dann bewegt man das Gegengewicht weiter nach hinten und das wars. Unsere Gegengewichtslösung ist unser zweites Merkmal, durch das wir uns unterscheiden. Der dritte Unterschied liegt in unserem Schulterpolster. Es hat Überlänge und ist zudem sehr breit. Wie man vielleicht weiss, braucht man bei einem Rigsystem mindestens drei Kontaktpunkte zum Körper. Bei den meisten Rigsystemen wird die Schulter nur als ein Kontaktpunkt genutzt. Aus meiner Sicht ist das ein Fehler, denn der Körper kann sehr grosse Lasten tragen und die Schulter ist die Auflagefläche des Körpers. Die Schulter nur als Auflagepunkt zu nutzen, um das Gewicht der Kamera zu tragen, dann noch mit verkrampft angewinkelten Armen, die das Rig stützen, das ist aus meiner Sicht falsch. Da sind wir anders. Bei unserem System trägt der Körper das Gewicht. Unser System ist aussenden ausbalanciert, das heisst dass die Arme nicht beansprucht werden. Das Rig trägt sich selbst. Das befreit die Hände um zum Beispiel Schärfe zu ziehen. Und weil die Kontaktfläche mit dem Schulterpolster so gross ist, absorbiert das Polster viele Vibrationen, die beim Dreh entstehen. Ich denke, das sind die drei wichtigsten Unterschiede bei unserem System: der tiefe Schwerpunkt, die Gewichtsverteilung und die Kontaktfläche zwischen dem Rig und dem Kameramann bzw. der Kamerafrau ist sehr gross, plus man kann das Schulterpolster an den Schulterradius anpassen. Ich liebe es meinen Kunden zuzuhören, denn viele dieser Vorschläge setze ich um. Und es gab tatsächlich einige Leute, die mich auf ein einstellbares Schulterpolster angesprochen haben. Daraufhin haben wir das umgesetzt. Es ist eine sehr simple Lösung, bei der man den Radius des Schulterpolsters verkleinern oder vergrössern kann.

    RH: Schaut man sich dein Rig an, sieht man auf den ersten Blick ein sehr grosses Rig, aber das heisst nicht, dass es nur für grosse Filmkameras gemacht ist, oder?

    EA: Es gibt ein spezielles Rig nur für die Alexa, aber unser Flaggschiff ist das C1 Pro-Rig. Auf das C1 Pro-Rig passen sowohl schwere Kameras wie die Alexa, die Red One, die SONY F55, die SONY F5 und so weiter. Auf der vorderen Kameraplatte, die sich stufenlos hoch und runter bewegen lässt, kann man die Canon C300, C500 und alle möglichen DSLR Kameras positionieren.

    RH: Wie sieht es denn damit aus, wenn man schnell auf ein Stativ wechseln möchte?

    EA: Das ist ein ganz wichtiger Aspekt und ein Problem mit dem ich mich stark befasst habe. Wenn man 15 bis 20 Minuten aufwenden muss um sein Rig vorzubereiten und dann auf ein Stativ wechseln muss und dann wieder die gleiche Zeit braucht um vom Rig aufs Stativ zu kommen, dann ist das nervig. Viele Firmen hatten die tolle Idee einer Kameraplatte, was super ist, was aber ein paar Probleme mit sich bringt. Eine Kameraplatte hebt die Kamera ein Stück und nun passt das Kompendium nicht mehr und nun hat man ein neues Problem. Einige Hersteller haben deshalb eine Art Baseplate herausgebracht, an die man alles mögliche dranmontieren kann. Mit diesem ganzen Aufbau sitzt die Kamera aber dann so hoch auf der Schulter, dass du Probleme mit dem Sucher bekommst. Das Ganze zieht also einen ganzen Rattenschwanz nach sich. Wir haben uns dafür entschieden einen Adapter zu entwerfen, der sehr unkompliziert an das Rig angebracht wird und es dann erlaubt sehr schnell auf ein Stativ zu gehen. Ausserdem habe ich mich von Steadycam Operatoren inspirieren lassen. Die verwenden eine Aufhängung, die es erlaubt ihr System auf ein Rollenstativ aufzuhängen. Ich habe dieses System übernommen. Man kann also ohne auf den Knien um das Rig herumrutschend unser System auf ein Stativ hängen und es sehr komfortabel bestücken. Am Set fehlt oft ein Tisch, den man nutzen kann. Wenn da mal irgendwo ein Tisch ist, dann ist er immer voll, mit Essen oder Sonstigem. Wie gesagt, diese Stativaufnahame am Rig erlaubt es sehr professionell zu arbeiten. Und mit unserem Top-Stage Stativ-Adapter kann man das gesamte Rig mit Kamera, Optik etc. schnell auf ein Stativ bringen und zusammen mit dem Rig einsetzen. Und da das Rig ausbalanciert ist, hat man auch keine Probleme mit dem Stativkopf bzw. man kann mit dem justierbaren Gegengewicht des Rigs den Stativkopf in die Waage bringen – ich mache das die ganze Zeit so.

    RH: Du kannst gut zuhören und du tust es auch. Auf der IBC hattest du einen sehr interessanten Austausch mit dem DEXTER Kameramann Eric Fletcher. Welche Weiterentwicklungen kann man nach diesem Gespräch bei CINEMECANIX erwarten? Was hast du bei diesem Gespräch dazugelernt?

    EA: Es war eine Ehre für mich Eric Fletcher zu treffen. Ich habe gar nicht damit gerechnet ihn auf der IBC zu treffen. Er kam vorbei, weil er von meinem neuen ALEXA Rig gehört hatte. Er arbeitet mit der Alexa bei DEXTER. Er kam also vorbei um das Alexa-Rig auszuprobieren. Dabei habe ich ihn gebeten mir seine Eindrücke, egal ob positiv oder negativ mitzuteilen. Ihm hat die Balance sehr gut gefallen, weil er noch nie zuvor diesen Komfort bei seiner Arbeit mit der Alexa verspürt hat und die Alexa ist in echter Ziegelstein. Was das Gewicht einer Kamera angehet, da kann ich nichts machen und wenn man den ganzen Tag damit drehen muss – nun denn. Er hat mir von ein paar seiner Vorlieben erzählt. Er benutzt viele ARRI Produkte und wie du weißt sind ARRI Produkte ein Industriestandard. ARRI Produkte sind für die Dauer gemacht, sie sind sehr zuverlässig. Und eigentlich hat er seinen Wunsch geäussert, dass meine Produkte näher an diese Standards heranrücken sollten. Unser Anspruch ist es Produkte zu machen, die erschwinglich sind und soweit waren wir recht erfolgreich. Er sagte aber: schau, du musst deine Rigs aus dem Besten machen, was es gibt. Im Detail hat er vorgeschlagen an einigen Stellen Schrauben durch Verschlusshebel zu ersetzen. Wir haben generell sehr viel von seinen Kommentaren übernommen und sind gerade dabei Studiorigs auf Basis seiner Kommentare zu entwerfen. Diese Studiorigs werden aus viel hochwertigeren Komponenten bestehen. Natürlich werden diese Materialien den Preis des Rigs raufsetzen, aber wie Eric Fletcher gesagt hat: ich scheue mich nicht davor 10.000 Dollar für ein Rig zu zahlen, wenn es hyperzuverlässig ist und wenn es mir die nächsten Jahre keine Probleme bereitet. Ich habe ihm sehr genau zugehört und ich nehme das, was er gesagt hat sehr ernst. Wir bleiben natürlich bei unseren Standardrigs, wollen nun aber auch professionellere Studiorigs entwickeln mit einer höherwertigeren Materialqualität.

    RH: Welche Ziele verfolgst du mit den CINEMECANIX Produkten? Wo willst du hin, wo willst du sein?

    EA: Das klingt vielleicht ganz lustig, aber ich habe keine Absicht der grösste Rig-Hersteller der Welt zu werden, darum geht es mir nicht. Es ist eine Leidenschaft. Wenn du dich an unser Treffen auf der IBC erinnerst, dann ist dir vielleicht aufgefallen, dass ich in Leidenschaft verfalle, wenn ich über das Filmen spreche. Mir geht es nur darum das Produkt bekannt zu machen und Menschen verständlich zu machen, dass sie sich nicht quälen müssen und sich nicht in einer instabilen Lage befinden müssen und dabei meine ich physich, nicht psychisch, denn einige von uns geraten schon mal mental in Schieflage… Ich will Informationen und Erfahrungen weitergeben. Ich will ein paar Lehrvideos darüber machen, wie man Stabilisierungssysteme in unterschiedlichen Situationen bei Film und Video richtig verwendet. Mir geht es um den Austausch und um das Weitergeben von Erfahrungen und Informationen. Unser Slogan lautet: Changing the Balance of Things…" und ich glaube dass wir aufgefallen sind und ich hoffe, dass es weiter wächst.

    RH: Was soll man spüren, wenn man mit deinem Produkt arbeitet? Wie soll man sich dabei fühlen?

    EA: Genau darum geht`s – ich will nicht das irgendjemand irgendetwas spürt:-))) Beim Bildermachen muss ich mich aufs Bild konzentrieren können und mich dabei so angenehm wie möglich fühlen können. Wenn ich eine Kamera wie einen Zementsack herumschleppen muss, dann macht Filmen keinen Spass. Ein Kommentar hören wir immer wieder: unser System schaut schwer aus, aber ein Buch kann man nicht nach dem Umschlag beurteilen. Unser Rig besteht aus Aluminium und sobald Leute es aufsetzen ist die erste Reaktion ein Lächeln… Unsere Philosophie ist es, dass man Spass bei der Sache haben soll.

    RH: Warum bist du diesen Weg gegangen?

    EA: Ich bin ein sehr visueller Typ. Ich habe immer viel beobachtet. Mein Opa hat mir viel darüber beigebracht, was passiert, wenn Licht auf Oberflächen trifft, er hat auch fotografiert. Ich habe schon immer auf Dinge geachtet, die anderen verborgen sind. Das beste Beispiel, dass ich dazu geben kann ist: wenn du jemanden nach der Farbe eines Autos fragst, dann sagt er vielleicht, das das Auto rot sei. Natürlich ist das Auto rot, aber ich sehe die Reflexion des Himmels, der Bäume, der gesamten Umgebung im Lack. Diese Dinge beachtet kaum jemand – ich schon. In meinen Zeichnungen und Bildern ging es oft darum die Realität oder gar die Hyperrealität zu zeigen.

    RH: Bleibst du in diesem Markt?

    EA: Oh ja! Dedo ist mein Vorbild. Er ist sehr leidenschaftlich und genial. Allein, wie er es schafft sich mit Menschen zu umgeben, die ihn lieben… Ich meine er macht weiter und weiter und weiter. So will ich auch sein. Ich habe einen Platz im Leben gefunden, leider hat es 44 Jahre gedauert. In diesem Business habe ich die Möglichkeit all mein Wissen anzuwenden, alles zusammenzusetzen. Ich glaube zum ersten Mal im Leben habe ich Freude daran aufzustehen und loszulegen, denn jeder Tag ist anders, ich treffe viele Menschen ich reise viel und ich treffe auf Meinesgleichen. Die Dedo-Family ist wie meine eigene Familie. Das ist es, was ich bis zu meinem Ende machen will.

    RH: Nun zur DEDO TIMES Tradition. Ich beginne einen Satz und du beendest ihn. Und der Satzanfang lautet: Gleichgewicht ist…

    EA: Diesen Satz kann ich sofort beenden. Gleichgewicht ist alles! Ich kann es nicht deutlicher sagen als mit diesem einen Wort. Egal was du tust, wenn du nicht im Gleichgewicht bist, geht nichts.

    Autor und Übersetzung: Roman Hoffmann

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